Rückblick auf die 6. Verbundkonferenz

Die 6. ThHoBi-Verbundkonferenz fand am 28. September 2023 an der UB Ilmenau als hybride Veranstaltung statt. 60 Teilnehmende – jeweils etwa zur Hälfte persönlich vor Ort und per Videokonferenz zugeschaltet – ließen sich über die Arbeit des Verwaltungsrats, der BSC-Arbeitsgruppen und über den Einführungsstand von FOLIO berichten und hörten außerdem einen Vortrag zum Hauptthema „ThUniBib“. So wird das Publikationsmanagementsystem genannt, das aktuell für die Thüringer Hochschulen als Gemeinschaftsprojekt zwischen der Verbundzentrale des GBV und dem BSC entwickelt wird. Frau Neumann vom GBV und Frau Ratka von der ThULB in Jena stellten die Möglichkeiten des Systems und den derzeitigen Stand anschaulich dar und machten neugierig auf die nächsten Umsetzungsschritte.
Neben dem fachlichen Input, der durch eine Führung durch die Bibliothek vor Beginn der Verbundkonferenz ergänzt wurde, war auch der informelle Austausch bei Kaffee, (selbstgebackenem!) Kuchen und belegten Brötchen ein wertvoller Bestandteil der Konferenz.

Schulkooperation der ThULB

Die Vermittlung von Informationskompetenz ist ein wesentlicher Schwerpunkt im Bereich der bibliotheksspezifischen Arbeit. An der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) bilden – neben den Studierenden – Schülerinnen und Schüler eine bedeutende Zielgruppe. Im Jahr 2022 haben insgesamt 3487 Personen an Schulungen und Führungen teilgenommen, darunter waren mit einem Anteil von knapp 30 Prozent 952 Schülerinnen und Schüler.
 

Das Schulungsteam der ThULB kooperiert mit weiterführenden Schulen sowohl vor Ort als auch überregional. Über das Angebot „Schnupperstudium“ der Friedrich-Schiller-Universität kommen Schulklassen und Jahrgangsgruppen nach Jena, um die Stadt als möglichen Studienort kennenzulernen. Damit ist häufig ein Besuch der ThULB verbunden, wo den jungen Leuten u. a. Optionen zur Informationsbeschaffung vermittelt werden, auch wenn aufgrund der räumlichen Distanz eine aktive Vor-Ort-Nutzung nicht möglich ist.
 

Im Rahmen des Seminarfachunterrichts planen die Lehrkräfte oft schon langfristig den Besuch in unserem Haus. In engem Austausch mit ihnen und anhand von Erfahrungswerten hat unser Team ein modulares Angebot entwickelt:

Modul 1 (60 min) dient der Vorstellung des Lernorts wissenschaftliche Bibliothek. Mit einer Führung durch wesentliche Bereiche des Hauses und Erläuterungen zu Anmelde- und Nutzungsmodalitäten wollen wir einer möglichen Schwellenangst entgegenwirken. Schülerinnen und Schüler sollen sich willkommen fühlen und sich sowohl in den Räumlichkeiten als auch auf unserer Website orientieren können.

Aufbauend auf dem Kennenlernmodul werden in Modul 2 (90 min) Strategien zur Konkretisierung des gewählten Seminarfachthemas vermittelt und Möglichkeiten effizienter Recherche und Informationsbewertung aufgezeigt. Dabei legen wir großen Wert auf die Interaktion mit den Schülerinnen und Schülern, die das Gelernte durch selbstständiges Lösen von Aufgaben vertiefen.

Eine Kompaktvariante (90 min) umfasst Elemente aus den beschriebenen Modulen.

Beispielhaft ist die jahrelange Kooperation mit dem Jenaer Carl-Zeiss-Gymnasium. In enger Absprache mit dem verantwortlichen Lehrer gestaltet unser Team jährlich für den 10. Jahrgang einen „Seminarfachtag“ in der Bibliothek. In diesem Jahr empfanden alle Beteiligten dieses vierstündige Ereignis, bestehend aus Vorträgen, aktiver Stationsarbeit und einer umfassenden Bibliotheksralley, als besonders gelungen, wie z.B. auf der Website der Schule nachzulesen ist: https://cz-gymnasium.jena.de/2023/03/11/seminarfach-tag-der-10-klassen-in-der-thulb/

Informationen zum Schulungsangebot der ThULB: https://www.thulb.uni-jena.de/services/schulungen-/-fuehrungen/einfuehrung-in-die-bibliotheksnutzung

Kontakt Schulungsteam: schulungen_thulb(at)uni-jena.de

Antje Pfeffer
Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB)
Bibliotheksplatz 2
07743 Jena
http://www.thulb.uni-jena.de
Tel.:   +49 3641 9404044
Email: antje.pfeffer@uni-jena.de

Thüringer Hochschulbibliotheken und ThHoBi in der Presse

Angang März 2023 kontaktierte ein für die Deutsche Presse-Agentur GmbH (dpa) arbeitender Journalist die Referentin des Kooperationsverbunds ThHoBi und fragte sie sowie die Vorsitzende des Landesverbands Thüringen des dbv, Milena Pfafferott, nach ihrer Einschätzung bezüglich der Nutzerzahlen (Besuche, Ausleihen und Nutzung elektronischer Medien) der Thüringer Hochschulbibliotheken sowie nach den sich daraus ergebenden Konsequenzen. Der Auslöser der Anfrage war eine Pressemitteilung der Universitätsbibliothek Weimar, die nach dem Einschnitt durch die Pandemie mittlerweile wieder gestiegende Nutzerzahlen, allerdings weiter rückläufige Ausleihzahlen konstatierte.
 

Daraufhin bat die Referentin, Karin Ehler, die Leiter*innen der Hochschulbibliotheken um aktuelle Zahlen und Bewertungen, um auf dieser Basis eine Antwort an den Journalisten zu erstellen. Dieser verfasste einen kurzen Beitrag für dpa, der von vielen Zeitungen aufgegriffen wurde. So hat eine erste Recherche ergeben, dass der Artikel am 20. und 21. März 2023 u.a. von der Thüringer Allgemeinen, von der Thüringer Landeszeitung, aber auch von der Mitteldeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (online), der WELT (online) und von Antenne Thüringen (online) wortgleich übernommen wurde. Selbst im Pressespiegel der Hochschulrektorenkonferenz HRK wurde er abgedruckt.

Für Interessierte verlinken wir HIER auf den Beitrag aus der Thüringer Allgemeinen, außerdem zeigen wir im Bild rechts den Beitrag der FAZ.

Das war die 17. Verwaltungsratssitzung

In der ersten Verwaltungsratssitzung des Jahres 2023 am 16. März galt es zunächst, für die neue dreijährige Amtszeit ab 01.01.2023 den Vorsitz und den stellvertretenden Vorsitz neu zu wählen. In beiden Fällen wurden die bisherigen Amtsinhaber wiedergewählt: Prof. Bauer-Wabnegg (Präsident der Universität Erfurt) ist weiterhin Vorsitzender und Prof. Rosenthal (Präsident der Universität Jena) weiterhin stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats.
 

Danach befasste sich der Verwaltungsrat mit vielen aktuellen Themen. So wurde über die Arbeit des BSC und seiner Arbeitsgruppen berichtet und der Arbeits- und Entwicklungsplan 2023 beschlossen. Weiter diskutierte man den Stand der FOLIO-Einführung und das Dauerthema DEAL, das für forschungsstarke Einrichtungen häufig mit großen finanziellen Herausforderungen verbunden ist. Es folgte eine Übersicht über die Verwendung der Open-Access-Mittel des Landes. Schließlich berichtete Prof. Bauer-Wabnegg darüber, wie es um das „Erfurter Modell“ der gemeinsamen Leitung der Bibliotheken der Uni Erfurt und der Fachhochschule Erfurt steht, über die sicher noch länger zu berichten sein wird. Zuletzt verständigte man sich über die Modalitäten der 6. Verbundkonferenz, die im September stattfinden wird. Der Termin der nächsten Verwaltungsratssitzung ist der 19.10.2023.

LibKey und BrowZine in der ThULB

Seit April 2022 hat die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena die Produkte LibKey und BrowZine lizenziert. Beide Produkte wurden von der Firma Third Iron in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Verlagen/Anbietern entwickelt mit dem Ziel, den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur zu verbessern.

LibKey ist eine KI-gestützte Linking-Technologie, bei der Nutzende mit einem Klick direkt zum Volltext/PDF geführt werden. Lange Ladezeiten, defekte Links, Paywall-Sackgassen und verwirrende Zwischenseiten auf der Suche nach dem Volltext/PDF werden mit LibKey minimiert bzw. vermieden. Voraussetzung für LibKey ist, dass es sich um einen wissenschaftlichen E-Journal-Artikel mit DOI oder PMID handelt. Datengrundlage für die ThULB sind aktuell ca. 17.000 frei zugängliche sowie von der ThULB lizenzierte E-Journals. Der Zugang wird mit LibKey auf verschiedenen Wegen erleichtert und verbessert:

LibKey Discovery kommt im Discovery-System der ThULB (ThULB-Suche) zum Einsatz und wurde dort mittels VuFind implementiert. LibKey bildet in der ThULB-Suche die perfekte Ergänzung für den dort genutzten E-Artikelindex und führt Nutzende bei ca. 90% der E-Artikel direkt zum Volltext/PDF. Über „Im E-Journal stöbern“ gelangen Nutzende zum Inhaltsverzeichnis des entsprechenden Zeitschriftenheftes und können dort weiterstöbern.

LibKey Link kann einzeln oder in Kombination mit einem Linkresolver in verschiedene Datenbanken integriert werden. In der ThULB wurde LibKey Link in Google Scholar sowie als „ThULB-Linking“ in verschiedene bibliographische Datenbanken – wie EBSCOhost, Web of Science, MLA, Scopus usw. – eingebaut. Da die LibKey-Reichweite auf wissenschaftliche E-Journals begrenzt ist, ist der bisherige Linkresolver (360 Link) auch weiterhin im Einsatz und LibKey Link wurde in diesen integriert.

LibKey Nomad ist ein Browser-Plugin, welches für die  Recherche abseits der Bibliothekswebsite im freien Web – z. B. über Wikipedia, ResearchGate, DOAJ usw. – entwickelt wurde. Findet LibKey auf einer Website Zugang zu einem frei zugänglichen oder von der ThULB lizenzierten E-Artikel, wird dies nach Installation des Browser-Plugins auf der entsprechenden Website durch das LibKey-Symbol angezeigt.

LibKey.io ermöglicht über ein einfaches Suchfeld eine Suche nach DOI oder PMID. Befindet sich der gewünschte E-Artikel im elektronischen Bestand der eigenen Bibliothek oder ist frei zugänglich, führt LibKey direkt zum PDF/Volltext. Das Suchfeld für DOI oder PMID kann in die Website der eigenen Bibliothek integriert werden.

BrowZine ist ein "virtuelles Zeitschriftenregal", mit dem sich aktuelle wissenschaftliche E-Journals thematisch oder nach Titel durchstöbern, lesen und verwalten lassen. Nach Anmeldung ist die Einrichtung eines personalisierten Bereiches möglich. BrowZine wurde für mobile Endgeräte entwickelt, kann aber auch mit jedem Browser aufgerufen werden.

Testphase

Nach Einrichtung eines Testzuganges wurden die Produkte LibKey und BrowZine in verschiedene Anwendungen eingebunden und in der ThULB durch ein Team aus Fachreferent*innen sowie Mitgliedern der AG Discovery getestet. Folgende Punkte haben beim Testen überzeugt und bei der Entscheidung für eine Lizenzierung der beiden Produkte geholfen:

  • intuitive Nutzung
  • schneller Zugriff auf E-Artikel ohne lange Wartezeiten
  • technische Implementierung
  • Open Access Bewusstsein und Zuverlässigkeit
  • transparentes Authentifizierungsmanagement
  • automatisierter Abruf der E-Journal-Bestandsdaten
  • sehr guter Support seitens Third Iron

Kritisch wurde beurteilt, dass LibKey aufgrund der Reichweite und dem Fokus auf E-Journal-Artikel kein vollständiger Ersatz für den Linkresolver ist und nicht für alle E-Medientypen eingesetzt werden kann. BrowZine ist außerdem kein moderner Ersatz für die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB), da nicht alle E-Journals in BrowZine enthalten sind. Dafür müssen bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt sein, z.B. muss der Verlag regelmäßig Metadaten liefern.

Technische Implementierung

Die LibKey API enthält die E-Journal-Bestandsdaten der eigenen Bibliothek sowie die Unpaywall Open-Access-Datenbank. Über eine bibliothekseigene URL mit entsprechender Bibliotheks-ID werden die Produkte in die verschiedenen Anwendungen eingebunden. Die technische Implementierung von LibKey und BrowZine in das Discovery System der ThULB via VuFind war schnell erledigt. Etwas zeitaufwendiger gestaltete sich die Einbindung von LibKey Link in verschiedene Datenbanken. Dank ausführlicher Anleitungen war aber auch dies gut durchführbar. Der Support von Third Iron stand jederzeit bei Fragen hilfreich zur Verfügung. Etwas Zeit nahm schließlich noch die Klärung datenschutzrechtlicher Fragen sowie die Vorbereitung von Informationen für Mitarbeitende und Nutzende in Anspruch.

Interne Kommunikation

Um die Mitarbeitenden der ThULB mit den neuen Produkten vertraut zu machen und Informationen breit zu streuen, wurden verschiedene Formate – z.B. eine Videoaufzeichnung zu den einzelnen Produkten – gewählt. Nach dem Livegang wurden das Wissen für Interessierte im Rahmen einer Fragestunde nochmals aufgefrischt und gemeinsam Fragen geklärt.

Zwischenfazit

Mit LibKey konnte die Medienzugänglichkeit im Bereich der wissenschaftlichen E-Journal-Artikel erheblich verbessert werden. Seit April 2022 erfolgten pro Monat durchschnittlich 5000 Volltextzugriffe über LibKey. Erfreulich ist auch, wie oft auf Inhaltsverzeichnisse von E-Journals via BrowZine zugegriffen wird. Bis heute gemeldete Zugriffsprobleme bezogen sich nicht auf die LibKey-Produkte, sondern auf falsch hinterlegte E-Journal-Bestandsdaten. Zur Nutzung der Produkte selbst gab es keine Rückmeldungen, was in Bezug auf Usability und User Experience als sehr gutes Zeichen zu bewerten ist. Die monatlich erstellte und differenziert aufbereitete Statistik ist eine gute Grundlage für eine spätere Evaluierung der Produkte LibKey und BrowZine und gibt außerdem Einblick in die Nutzung einzelner E-Journals.

Manuela Heymann, ThULB

5. Verbundkonferenz 30.06.2022

Dieses Jahr hat sich die Verbundkonferenz schwerpunktmäßig mit dem neuen Bibliothekssystem FOLIO beschäftigt. Nach einem Bericht des Verwaltungsratsvorsietzenden, Prof. Walter Bauer-Wabnegg, über den Kooperationsverbund ThHoBi und nach Berichten der BSC-Arbeitsgruppen über ihre Arbeit hat die Referentin des GBV, Martina Schildt, über das System FOLIO und den Umsetzungsstand informiert. Im Anschluss bestand Gelegenheit für Fragen und Diskussion, die intensiv genutzt wurde.
 

Sie finden hier die beiden Präsentationen der 5. Verbundkonferenz 2022:
 

Berichte der Arbeitsgruppen des Bibliotheksservicecenters BSC

FOLIO-Einführung

Zentrale Erfassung von Publikationskosten an der TU Ilmenau – Erste Schritte in Richtung eines transparenten Informationsbudgets[1]

Nicht erst seit der Einrichtung des Förderprogramms Open-Access-Publikationskosten durch die DFG treibt das Monitoring von Kosten für das wissenschaftliche Publizieren Informationseinrichtungen um. Die zunehmende Verbreitung wissenschaftlicher Inhalte in digitaler Form stellt die Erwerbungsetats von Bibliotheken vor große Herausforderungen, weil damit zu den klassischen Lizenzkosten Gebühren für das Publizieren wissenschaftlicher Forschungsergebnisse hinzukommen und teils beide Geschäftsmodelle in sogenannten Transformationsverträgen zusammengeführt sind. Ziel ist die vollständige Umstellung auf ein publikationskostenorientiertes Preismodell, mit dem zugleich Open Access, also die freie Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit von wissenschaftlicher Literatur, zum Standard wird.
 

Die für wissenschaftliche Publikationen anfallenden Kosten sind dabei als „integraler Bestandteil des Forschungsprozesses“ [1] zu verstehen und über Forschungsfördermittel oder von institutionellen Infrastrukturen aufzubringen. Die bisher anfallenden Lizenzkosten hingegen ließen sich in einer Open-Access-Welt in beträchtlichem Umfang in Mittel zur Übernahme von Publikationskosten transformieren. Aus Erwerbungsetats und zentral oder dezentral aufgewendeten Mitteln für das Publizieren wissenschaftlicher Inhalte könnten einrichtungsweite „transparente Informationsbudgets“ entstehen.[2]

Voraussetzung dafür ist die genaue Kenntnis des Publikationsoutputs einer Einrichtung und der damit verbundenen Kosten – und genau darauf sind viele Hochschulen, in Thüringen und darüber hinaus, noch nicht ausreichend eingestellt. Zwar bestehen an vielen Einrichtungen zentrale Förderstellen in Form von Open-Access-Publikationsfonds, doch kennen diese in der Regel nur Anzahl und Kosten der über sie finanzierten Publikationen. Wie viele und zu welchen Kosten Publikationen direkt über einzelne Struktureinheiten abgewickelt werden, ist bisher unklar. Um auch diese dezentral übernommenen Zahlungen in eine einrichtungsweite Erfassung von Kosten für das wissenschaftliche Publizieren zu integrieren, ist eine Strukturanpassung erforderlich, der die Vernetzung verschiedener Bereiche einer Einrichtung zugrunde liegt. Nachfolgend ist skizziert, wie die Universitätsbibliothek Ilmenau die Erfassung von Kosten für wissenschaftliche Publikationen zentral umsetzen wird.

Im Vorfeld der Antragstellung im DFG-Programm Open-Access-Publikationskosten gab es bereits Gespräche zwischen der Universitätsbibliothek, dem Dezernat Finanzen sowie dem Referat Forschungsservice und Technologietransfer der Universität zu den Geschäftsprozessen bei der Abwicklung von Publikationsgebühren. Das Präsidium der TU Ilmenau unterstützte das Vorhaben des zentralen Kostenmonitorings und eine zügige Umsetzung. Aus den ersten Gesprächen entwickelte sich ein enger Abstimmungsprozess zwischen verschiedenen Abteilungen des Dezernats für Finanzen (Controlling und Beschaffung, Externes Rechnungswesen) und der Universitätsbibliothek (kaufmännische Leitung, Erwerbungsabteilung, Open-Access-Dienste). Die kaufmännischen Leitungen aller Fakultäten sowie die Mitarbeiter*innen des Dezernats für Finanzen wurden über eine Dokumentation und in Veranstaltungen über das Vorhaben informiert und in die Thematik eingeführt.

Kern der Neustrukturierung ist die Verankerung eines neuen Sachkontos Wissenschaftliche Publikationskosten mit den Untersachkonten OA-Publikationskosten und Publikationszusatzkosten im Kontenrahmenplan der Universität. Das Untersachkonto OA-Publikationskosten ist hierbei zur Erfassung von Kosten vorgesehen, die in direktem Zusammenhang mit der Open-Access-Transformation stehen, worunter vor allem Publikationsgebühren für Open-Access-Zeitschriftenbeiträge oder Open-Access-Bücher fallen. Das Untersachkonto Publikationszusatzkosten ist hingegen für Arten von Aufwendungen vorgesehen, die in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Open-Access-Transformation stehen und in deren Rahmen auch nicht förderwürdig sind, wie beispielsweise Gebühren für Farbabbildungen oder für die Präsentation eines Artikels auf der Titelseite oder Homepage einer Zeitschrift. Rechnungen werden wie bisher dezentral bearbeitet, sollten aber bereits durch die kaufmännischen Leitungen dem entsprechenden Sachkonto korrekt zugeordnet werden. Rückfragen zur Zuordnung von Rechnungen beantworten die Open-Access-Dienste der Universitätsbibliothek auf der Basis von zugesandten Rechnungsscans kurzfristig. Die UB bringt so ihre Erfahrung und Sachkenntnis im Umgang mit Rechnungen für Publikationsdienstleistungen ein. Das Schema veranschaulicht den Workflow.

Eine publikationsbezogene Rechnung geht idealerweise im zentralen Rechnungseingang ein und wird an die zuständige Struktureinheit weitergeleitet. Die kaufmännische Leitung ordnet die Rechnung dem entsprechenden Sachkonto zu und prozessiert die Rechnung wie gewohnt weiter zum Externen Rechnungswesen. Zur Entscheidung der Vorbelegung des korrekten Sachkontos stehen Listen mit Bezeichnungen zur Verfügung, die durch die Open-Access-Dienste der UB gepflegt werden. Die Kontierung selbst wird dann durch das Externe Rechnungswesen vorgenommen. Zur Abfrage von Kostendaten des neu eingerichteten Sachkontos inklusive Unterkonten erhält die kaufmännische Leitung der UB die entsprechenden Leserechte. Damit können die Kostendaten durch die Universitätsbibliothek bei Bedarf jederzeit abgerufen werden.

Das neue Verfahren zur zentralen Erfassung von publikationsbezogenen Kosten startete im Mai, erste Rückfragen wurden bereits beantwortet. Für August ist eine erste Evaluation der Umsetzung vorgesehen, um gegebenenfalls nachzujustieren.

K. Günther, P. Blume, UB Ilmenau

 


[1] Vgl. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access, Köln 2022, https://doi.org/10.57674/fyrc-vb61, S. 11.

[2] Ebd., z. B. S. 74 ff.

Wichtige Weichenstellungen des Verwaltungsrats

In seiner letzten, 15. Sitzung am 24. März 2022 hat der ThHoBi-Verwaltungsrat viele Themen diskutiert und wichtige Entscheidungen getroffen. So wurde der Bericht der Arbeitsgruppen des BSC zum Arbeits- und Entwicklungsplan 2021 zustimmend zur Kenntnis genommen und gleichzeitig der neue Arbeits- und Entwicklungsplan 2022 beschlossen, der die Aufgaben des BSC und insbesondere der AGs für das laufende Jahr definiert.
 

Weiterhin wurde entschieden, wie in Zukunft die Mittel des Landes verteilt werden sollen, die aus dem Open-Access-Publikationsfonds an die Hochschulen ausgereicht werden. Im Rahmen der Digitalisierungsstrategie stellt das Land den Hochschulen noch bis 2025 jährlich 200.000 Euro für das Open-Access-Publizieren zur Verfügung. Für die Verteilung dieser Mittel wurde nun ein neuer Verteilschlüssel beschlossen, bei dem der Anteil der bisherigen Open-Access-Publikationen der Hochschulen von Jahr zu Jahr stärker berücksichtigt wird, während das Gewicht des Personalanteils der Hochschulen gleichzeitig zurückgeht. Die Thüringer Landespräsidentenkonferenz TLPK bestätigte am 7. April 2022 diesen Verteilmodus.
 

Darüber hinaus entschied der Verwaltungsrat, dass die zusätzlichen Mittel, die das Land noch bis 2023 für Open-Access-Fördermaßnahmen ausreicht, im Wesentlichen für das Projekt Thüringer Publikationsdokumentationssysteme verwendet werden sollen. Das Projekt wird an vielen Standorten auch „ThUniBib“ genannt und hat zum Ziel, das Open-Access-Monitoring an den Hochschulen umzusetzen. Die Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds übernimmt als Auftragnehmer die Entwicklung, Wartung und Pflege der Publikationsdokumentationssysteme.

Die nächste, 16. Verwaltungsratssitzung ist für den 20. Oktober 2022 geplant.

BSC im Strategierat Digitale Forschung

Die Thüringer Landespräsidentenkonferenz TLPK hat im Februar 2022 die Einrichtung eines Strategierats Digitale Forschung beschlossen, der im Rahmen der Thüringer Digitalisierungsstrategie dem Thüringer Kompetenznetzwerk Forschungsdatenmanagement TKFDM zur Seite stehen soll. Konkret geht es darum, Themenschwerpunkte weiterzuentwickeln, Themenfelder zu priorisieren und bei der Antragstellung gemeinsamer drittmittelgeförderter Projekte im Bereich Digitale Forschung zu unterstützen.
 

Die stimmberechtigten Mitglieder des Strategierats sind die Vizepräsident*innen Forschung der Hochschulen. Beratende Mitglieder sind jeweils eine Vertreter*in des TMWWDG, des IT-Zentrums der Thüringer Hochschulen (HS-ITZ), des TKFDM und auch von ThHoBi. Die Vertretung für ThHoBi übernimmt Gerhard Vogt, der Leiter der BSC-Service-Unit Ilmenau und Direktor der UB Ilmenau. Die konstituierende Sitzung des Strategierats fand am 4. Mai 2022 statt, danach sind regelmäßig weitere Sitzungen geplant.

Interview zu Open Access in Thüringen

In der neuesten Ausgabe des Journals o-bib. Das offene Bibliotheksjournal finden Sie ein ausführliches Interview mit Dr. Peter Blume (TU Ilmenau), Barbara Waszynski (Hochschule Schmalkalden) und Dana Horch (Bauhaus-Universität Weimar) über Open Access in Thüringen. Die drei sind bzw. waren die Open-Access-Beauftragten ihrer Hochschulen (Dr. Blume war lange Jahre der OA-Beauftragte der TU Ilmenau; mittlerweile hat Dr. Katrin Günther das Amt übernommen). Sie stellen dar, was die Vorteile insbesondere des DEAL-Vertrags aus Perspektive ihrer Hochschule sind, aber auch welche Nachteile oder Probleme damit verbunden sind und welche weiteren Entwicklungen sie erwarten.
 

Das Interview führte Kai Geschuhn von der Max Planck Digital Library Services gGmBH. Lesen Sie das komplette Interview unter o-bib. Das offene Bibliotheksjournal, Bd. 9 Nr. 1 (2022)
 

 

Über den Tellerrand geschaut. Der Online-Workshop der Arbeitsgruppe Informationskompetenz

Fachkolleg*innen aus den öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken Thüringens nutzten den 7. Juli 2021, um sich zu Falschinformationen, Data Literacy und Barrierefreiheit/ einfache Sprache fachlich auszutauschen. Mit jeweils einem Impulsvortrag führten verschiedene Referent*innen in die einzelnen Themen ein:
 

  • Recherchieren, aber richtig: Wie man seriöse Quellen von Falschmeldungen unterscheidet – ein Praxisbericht; Referent: Steve Przybilla, freier Journalist (RiffReporter)
  • Die FakeHunter Junior Das Planspiel zum Thema Fakenews für vierte und fünfte Klassen; Referent: Andreas Langer, Stabsstelle Medienpädagogik der Büchereizentrale Schleswig-Holstein des Büchereivereins Schleswig-Holstein e.V.
     
  • Data Literacy Kompetenzen zum Umgang mit Daten; Referent*innen: Dr. Volker Schwartze und Dr.in Barbara Aehnlich, Projekt zur Lehrentwicklung im Bereich Data Literacy, Michael-Stifel-Zentrum Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Digitale Veranstaltungen barrierefrei gestalten; Referentin: Dr.in Miriam Benteler, Diversitätsbeauftragte Bauhaus-Universität Weimar
  • Barrierefreiheit für Web-Angebote von Bibliotheken; Referent: Domingos de Oliveira, u.a. Dozent und Berater zu digitaler Barrierefreiheit

Viele der Workshop-Teilnehmer*innen arbeiten auf dem Gebiet der Entwicklung und Förderung von Informationskompetenz.

 

Besonders wertvoll an diesem Tag war es, die Arbeit und Ansichten von Fachexpert*innen kennenzulernen, die nicht in Bibliotheken arbeiten, und damit einen Perspektivenwechsel vorzunehmen. Neues erfahren, Denkanstöße für die eigene Arbeit erhalten und diese zeitnah miteinander teilen – das ergab den Mehrwert der Fortbildung. Aus Sicht der Teilnehmer*innen ist eine Vertiefung dieser Themen in weiteren Fortbildungen wünschenswert.

Zum Gelingen des Workshops trug maßgeblich die unkomplizierte Kooperation mit dem DBV-Landesverband Thüringen bei, der die Veranstaltung im Rahmen seines Fortbildungsprogramms bewarb, die Anmeldungen verwaltete und außerdem die Finanzierung der Referent*innen übernahm.

Corona, DEAL & Transformation – ein Erwerbungsjahr der anderen Art

Traditionell mitten in der „heißen“ Verlängerungsphase eines jeden Erwerbungsjahres treffen sich die für Medienerwerbung zuständigen Kolleg*innen der Thüringer Hochschulbibliotheken zu einer Arbeitssitzung der AG Erwerbung und Bestandsmanagement. Viele Detailprobleme werden „im Verborgenen“ besprochen und betreffen doch häufig Kernbereiche bibliothekarischer Aufgaben.
Es lohnt sich deshalb ein schlaglichtartiger Rückblick auf ein bewegtes Jahr mit zahlreichen „-tionen“.

ReakTION auf InfekTION
Zunächst die pandemische Lage mit ihrem umfassenden Griff in alle gesellschaftlichen Bereiche. Auch die Hochschulen konnten sich dem nicht entziehen und 2021 begann wie 2020 endete: mit einem digitalen Semester. Die Informationsversorgung für Studium, Forschung und Lehre zu sichern, an neue Bedarfe anzupassen, den vielbeschriebenen Medienwandel hin zum Digitalen noch schneller zu vollziehen – das funktioniert nur Dank eingespielter Prozesse im einschichtigen Bibliothekssystem der Thüringer Hochschulbibliotheken. 

AkTION
Die Open Access-Transformation an den Thüringer Hochschulbibliotheken schreitet auch über den grünen Weg in großen Schritten voran. Im Rahmen der Teilnahme der Digitalen Bibliothek Thüringen am Projekt „Deep Green“ – der Datendrehscheibe für die automatisierte Einspielung von Zweitpublikationen in institutionelle Repositorien – wurden in 2021 mehr als 1.000 Zweitpublikationen in die Digitale Bibliothek Thüringen eingespielt. Das Gros der importierten Journalartikel entfällt auf Autor*innen der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Damit ist ein weiterer Schritt getan, die Digitale Bibliothek Thüringen mit weiteren qualitativ sehr hochwertigen Inhalten anzureichern und sie als ein Schaufenster der Forschung an den Thüringer Hochschulen weiter zu entwickeln. Doch damit nicht genug, denn die Entwicklung geht auch im kommenden Jahr weiter: So wird es in 2022 darum gehen, konkrete Workflows für die importierten Dokumente umzusetzen, um diese in den einzelnen Instanzen der Digitalen Bibliothek Thüringen freizuschalten. Anbieterseitig sind am Projekt „Deep Green“ bislang die Verlage BMJ, Karger, MDPI, Sage und Walter de Gruyter mit ihren Zeitschrifteninhalten beteiligt.

InformaTION
Die Erwerbung elektronischer Ressourcen erfolgt zum größten Teil über den konsortialen Weg. Angebote müssen gesichtet, bewertet und prozessiert werden. 2021 stand als Folge von DEAL ganz unter dem wachsenden Angebot an transformativen Verlagsmodellen. Zuverlässig übernahm die ThULB hier die Funktion einer Schnittstelle zu den überregionalen Erwerbungskonsortien und vermittelte auch in 2021 wieder eine Vielzahl konsortialer Angebote an die Thüringer Hochschulbibliotheken, welche die Basis für die digitale Informationsversorgung an den Thüringer Hochschulen bilden.

TransformaTION 
Der durch DEAL eingeschlagene Weg hin zu publikationsbasierten Preismodellen beschleunigt sich. Immer mehr rückt die Finanzierbarkeit entsprechender Verträge für einzelne Hochschule in den Blickpunkt. Flexibilität und Mitgestaltungswille machen die Erwerbungsverantwortlichen zu wichtigen Playern der Transformation.

IntegraTION
Neue Medienformen und Medienzugangswege (man denke nur an Open Access) sind in bestehende Prozesse zu integrieren, damit eine hohe Sicht- und Verfügbarkeit für Studium, Forschung und Lehre gewährleistet werden kann. Hier leisteten (nicht nur) die in den Thüringer Hochschulbibliotheken für Erwerbung zuständigen Kolleginnen und Kollegen einen wichtigen Beitrag.

PosiTION
Die neue „Richtlinie über die Archivierung und Aussonderung von Bibliotheksgut durch die Hochschulbibliotheken des Freistaats Thüringen“ setzt Maßstäbe für die Bewahrung der kulturellen Überlieferung in den Bibliotheken. Die AG Erwerbung und Bestandsmanagement erarbeitete in 2021 hierzu einen gemeinsamen Workflow.

AmbiTION
Die vielgestaltigen und durchaus personalintensiven Prozesse der Medienerwerbung- und Erschließung zukunftsfest zu gestalten, zu akzentuieren und durch den Einsatz technischer Tools und neuer Systeme zu optimieren, ist Herausforderung in einem sich stetig wandelnden Berufsfeld. Eine wichtige Gesprächsplattform ist die AG Erwerbung und Bestandsmanagement.

Thomas Mutschler und Thomas Witzgall, AG Erwerbung und Bestandsmanagement

Viel Anerkennung für den „Thüringer Weg“

Unter der Bezeichnung „Thüringer Weg“ findet der Publikationsfonds für Fachhochschulen, der im Rahmen der Open-Access-Förderung durch die Thüringer Landesregierung vom Kooperationsverbund Thüringer Hochschulbibliotheken ThHoBi eingerichtet wurde, nun seinen Weg in die Fachöffentlichkeit. Dies jedenfalls ist der Begriff, der auf dem „DEAL-Praxis-Webinar #3: Transformation in Thüringen“ am 31. Mai 2021, organisiert der MPDL Services GmbH, von den Kolleg*innen aus Bayern dafür geprägt wurde.
 

Dr. Peter Blume von der UB Ilmenau berichtete im Webinar in seinem Beitrag „DEAL solidarisch ermöglichen“, dass gerade kleine Fachhochschulen, die häufig keine eigenen Publikationsfonds vorhalten, durch den mithilfe der OA-Landesmittel eingerichteten Publikationsfonds in die Lage versetzt wurden, bei Bedarf Mittel für Gold Open Access-Publikationen abzurufen und den DEAL-Verträgen beizutreten.

Aus der Perspektive der Cellarius-Bibliothek der Hochschule Schmalkalden schilderte Barbara Waszynski, dass der Publikationsfonds dort ein ganz entscheidender Faktor für die Entscheidung war, den DEAL-Vertrag mit Springer Nature zu unterzeichnen. Seitdem wurde Open Access an ihrer Hochschule stark intensiviert.
 

Schließlich machte Dana Horch von der UB Weimar in ihrem Beitrag deutlich, dass es für die Bauhaus-Universität Weimar ein großer Gewinn sei, durch die DEAL-Verträge in den Subskriptionsjournalen der großen Verlagsmarken Open Access publizieren zu können. Zugleich regte sie an, das Denken in herkömmlichen Strukturen und Abteilungen hinter sich zu lassen und Open Access stattdessen als übergreifendes Thema für alle Bereiche der Bibliothek und Universität zu sehen.

Wir sind gespannt, ob der „Thüringer Weg“ Schule macht und als Modell für vergleichbare Lösungen in anderen Bundesländern aufgegriffen wird. Kleinere, nicht-universitäre Hochschulen könnten in jedem Fall auch andernorts davon profitieren.

Mehr Informationen sowie die Präsentationen des Webinars finden Sie HIER.

Strukturiertes Testen im Bibliothekssystem mit Hilfe von User-Stories

Der Bibliotheksdienstleister OCLC hat eine browserunabhängige Version des Lokalen Bibliotheksverwaltungssystems entwickelt, welche im Laufe dieses Jahres in allen Verbundbibliotheken zum Einsatz kommen soll. Im Rahmen der geplanten Umstellung wurden an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) umfangreiche Tests an der neuen Version durchgeführt.

In einem ersten Schritt wurde für die ThULB ein Testkatalog erstellt, in dem alle Vorgänge aufgelistet wurden, welche im Ausleihsystem in der Regel durchgeführt werden. Im zweiten Schritt wurden diese Vorgänge in der aktuell angewandten sowie in der neuen Version getestet und die Ergebnisse der Tests miteinander verglichen. Als Werkzeug zur Formulierung dieser Vorgänge wurden User Stories verwendet.

User Stories werden in der Softwareentwicklung eingesetzt, „um gewünschte Funktionalitäten eines Systems aus Sicht des Anwenders zu beschreiben“[1]. Dabei sollen folgende Inhalte transportiert werden: Wer (Person) möchte was (Funktionalität) aus welchem Grund (Nutzen)? Der Fokus liegt darauf, einen Sachverhalt so einfach wie möglich bzw. in kurzen Sätzen zu beschreiben. Reines Testen ist manchmal nicht unbedingt nachvollziehbar – die User Stories helfen dabei, die Hintergründe der Tests zu verdeutlichen, und geben dem Testkatalog einen guten Bezug zum Arbeitsalltag.

Zur Veranschaulichung soll folgende User Story dienen: „Ein Medium, welches vorgemerkt ist, wird zurückgegeben.“ Anhand dieses kurzen Satzes verstehen die KollegInnen, welche Arbeitsschritte im Ausleihsystem zu erledigen sind. Für jedes Detail, das sich an der Situation ändert, wird eine neue User Story erstellt. Falls im oben genannten Beispiel das zurückgegebene Medium nicht vorgemerkt ist, sondern sich im Mahnprozess befindet, lautet die User Story: „Ein Medium, welches bereits angemahnt wurde, wird zurückgegeben.“

Im Testkatalog wird das komplette Spektrum an Situationen im Ausleihsystem abgedeckt, angefangen bei Ausleihe und Rückgabe über An- und Abmeldung bis hin zur Benutzerdatenverwaltung und vielem mehr.
Es werden ebenfalls Vorgänge beschrieben, die aufgrund eines Fehlers bzw. eines Versehens entstehen können. Auch für diese Situationen muss die Software auf ihre Funktionsweise getestet werden. Als Beispiel dient folgende Situation: „Ein abholbereites Medium wird abgeholt. Dabei wird jedoch ein Buch aus dem Auslageregal geholt, welches auf einem anderen Benutzerkonto verbucht ist.“

Damit die Sätze so kurz wie möglich bleiben, jedoch die Gleichberechtigung gewährleistet ist, wurde darauf verzichtet, eine spezifische Person in den User Stories zu benennen. Somit wird statt „Ein Nutzer/Eine Nutzerin möchte ein Medium ohne Beilage aus dem Freihandbereich ausleihen.“ die User Story wie folgt formuliert: „Ein Medium ohne Beilage aus dem Freihandbereich soll für die Ausleihe außer Haus verbucht werden.“

Als Fazit können wir ziehen, dass zur Verdeutlichung der Arbeitsabläufe im Ausleihsystem die User Stories hervorragend geeignet sind. Sie sind ein unkompliziertes Mittel, um aus komplexen Gegebenheiten verständliche Aussagen machen zu können. Dies erleichtert allen weiteren KollegInnen, welche die neue Version derzeit testen, die Arbeit mit dem Testkatalog.

Jasmin Berbig und Nina Hartwig, Sachgebiet Zentrale Ausleihe, ThULB Jena


[1] vgl. User Story / t2informatik GmbH. - Berlin, [2020]. - 1 Online-Ressource. - https://t2informatik.de/wissen-kompakt/user-story/ - Gesehen am 06.05.2021

Universitätsbibliothek Weimar erfolgreich auf RFID umgestellt

Mit der Wiedereröffnung des umgebauten Ausleih- und Servicebereichs der UB Weimar am 26. April 2021 wurde ein über mehrere Jahre geplantes und vorbereitetes Projekt zum erfolgreichen Abschluss gebracht. Dabei stand die Einführung der RFID-Technologie im Vordergrund. Mit komfortablen Selbstverbuchungsmöglichkeiten sieht sich die Bibliothek im Augenblick noch besser für den Betrieb in Zeiten von Corona gerüstet. Perspektivisch soll die neue Technologie zu einer deutlichen Erweiterung der Öffnungszeiten führen. Im Vorfeld des Projekts wurden seit Mitte Januar 2021 insgesamt ca. 160.000 Medieneinheiten im Freihandbereich der Bibliothek mit RFID-Etiketten beklebt. Die Umetikettierung des Magazin-Bestands wird die Bibliothek noch über Jahre begleiten.

Wichtiger Bestandteil des Projekts war die komplette Umgestaltung des früheren Ausleihbereichs. Die frühere Ausleihtheke wurde deutlich verkleinert und zur „Servicetheke“ umgestaltet. An zentraler Stelle wurden zwei Selbstverbucher aufgestellt, von denen der eine neu mit Strom und Datennetz versorgt werden musste. In unmittelbarer Nähe zu den Selbstverbuchern befinden sich die ebenfalls neuen Regale für die von der Bibliothek bereitgestellten sowie für die von den Nutzer*innen zurückgegebenen Medien. Die ersten Reaktionen der Nutzer*innen sind überaus positiv.

Dr. Frank Simon-Ritz, Direktor der UB Weimar